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27.04.2011

Internetprojekt "Die Verantwortlichen" geht an der Start

Seit heute begleiten 150 engagierte Bürger aus ganz Deutschland ihre gemeinnützigen Initiativen mit einer Videokamera und stellen ihre Arbeit im Internet vor. Sie nehmen teil an dem Projekt "Die Verantwortlichen", das die Robert Bosch Stiftung zum 150. Geburtstag von Robert Bosch ins Leben gerufen hat. Es sind Menschen, die sich in besonderer Weise für andere einsetzen, die Initiative ergreifen, Ideen entwickeln, Zeit und Geld opfern und andere mitreißen.

Mit dabei ist auch der DTF-Geschäftsführer Kerim Arpad. Er wird in den kommenden Wochen die Kultur- und Bildungsprogramme des Deutsch-Türkischen Forums in kurzen Filmen vorstellen und möchte damit für gesellschaftliches Engagement werben.

Mehr zu der Kampagne auf der Internetseite www.verantwortung-unternehmen.org und im YouTube Channel www.youtube.com/DieVerantwortlichen

04.10.2009

So eine große Schwester müsste man haben!

Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des DTF Stuttgart berichtet die Stuttgarter Zeitung in ihrer Wochenendbeilage vom 2. Oktober 2009 über einige Teilnehmer unserer Bildungsprogramme.


So eine große Schwester müsste man haben!

Erfolgreiche junge Leute aus Migrantenfamilien engagieren sich als Mentoren für deutschtürkische Grund- und Hauptschüler. Für ihre Schützlinge sind sie nicht nur willkommene Helfer, sondern auch Vorbilder. Unser Fotograf Gottfried Stoppel stellt fünf von ihnen vor.

Eine große Schwester, die einem Mut macht, die bei den Hausis hilft, die mit einem zur Bücherei oder zum Eis essen geht - so eine Abla, wie man im Türkischen respektvoll sagt, müsste man haben! Zeynep Akpinar, 28, Studentin an der PH Ludwigsburg, ist eine solche Abla. Sie betreut zwei Drittklässlerinnen an der Rosenschule. Einmal die Woche trifft sie sich mit den Mädchen, beugt sich - wie wir auf dem großen Foto sehen - mal mit Esra, mal mit Aylin über die Schulhefte. "Ich weiß, welche Schwierigkeiten Kinder aus Migrantenfamilien haben", sagt Akpinar.

Auch Emin Tuna, 25, der aufs Abendgymnasium geht und sein Hobby, die Fliegerei, zum Beruf machen will, engagiert sich für Kinder aus türkischen Einwandererfamilien. Er hat für einen Schüler die Rolle des großen Bruders übernommen. "Hätte ich auch so einen 'Agabey' gehabt, hätte es bei mir vielleicht früher gefunkt", sagt der junge Mann. "Ich weiß, was es heißt, auf andere angewiesen zu sein, weil die eigenen Eltern nicht so gut Deutsch können." Stolz berichtet Tuna, dass sein Schützling bereits schöne Erfolge einfährt: Einmal brachte er in Mathe sogar die beste Arbeit der ganzen Klasse nach Hause.

Solche Geschichten lassen sich vom Agabey- und Abla-Programm des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart berichten, das an diesem Wochenende sein ZehnJahre-Jubiläum feiert. Nicht nur die Geschichten der Schüler erzählen von Erfolgen, sondern auch die Geschichten ihrer Mentoren und der jungen Mitstreiter des Forums. Da ist Esra Yeni, 19, die gerade in der Kerschensteinerschule die Abitursklasse und zugleich eine Ausbildung zur Chemisch-Technischen Assistentin absolviert - sie will aber auch Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen. Da ist Deniz Herkert, 19, der Lehrer werden möchte - für ihn bedeutet gesellschaftspolitisches Engagement keineswegs nur, zur Wahl zu gehen. Und da ist Banu Dilek Turmus, 19, die nicht nur in der türkischen Tanzgruppe "Eurasian Artists" begeistert ihre Talente entfaltet, sondern auch beim Lernen - die Gymnasiastin strebt ein Studium an, das Wirtschaft und Technik verbindet. Nebenbei, in der Freizeit, hilft sie dem Drittklässler Onur. "Es ist wichtig", sagt die ehrenamtliche Abla, "den Kindern Vorbild zu sein." th

22.05.2009

Türkischstämmige Mandatsträger treffen Jugendliche

Das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart (DTF) hat, gemeinsam mit der Hamburger Körber Stiftung, Vertreter des bundesweiten und überparteilichen Netzwerkes türkeistämmiger Mandatsträger zu einem Treffen nach Stuttgart eingeladen. Die Politikerinnen und Politiker trafen mit türkischstämmigen Jugendlichen aus der Region Stuttgart zusammen, die seit einigen Monaten an den deutsch-türkischen Runden Tischen des DTF teilnehmen. In dem Gespräch ging es vorrangig um die politischen Partizipationsmöglichkeiten von Migranten in Deutschland.

Mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen stellte der Geschäftsführer des Deutsch-Türkischen Forums, Kerim Arpad, fest, dass in Stuttgart über 110.000 Wähler einen Migrationshintergrund haben. Dies entspricht mehr als einem Viertel der Wahlberechtigten in Stuttgart. Darunter befinden sich 8.500 deutschtürkische Wähler. Allerdings liegt die Wahlbeteiligung der Migranten noch weit unter dem Durchschnitt. Nur 18 Prozent der Unionsbürger beteiligten sich an den Kommunalwahlen 2004. Über die türkischstämmigen, eingebürgerten Wähler lägen bislang keine Statistiken vor, aber Arpad vermutet, dass "die Zahlen kaum besser" wären.

Vor diesem Hintergrund diskutierten die Jugendlichen mit den türkeistämmigen Mandatsträger über deren persönliche Erfahrungen in den unterschiedlichen Parteien. Die Jugendlichen wiederum schilderten, welche Eindrücke sie bisher von Politik und Politikern sammeln konnten und wie sie sich selbst gesellschaftlich und politisch einsetzen.

Politiker und Jugendliche kamen überein, dass von Parteien und Verbänden viel Engagement gezeigt werden müsse, um die Wahlbeteiligung unter eingewanderten Neubürgern zu verbessern. Die Politik müsse gerade Migranten besser ansprechen und in ihren Gliederungen für eine bessere Vertretung sorgen. Andererseits müssen Migranten und ihre Organisationen verstärkt für politisches Interesse und die Beteiligung an Wahlen werben. Auch die staatsbürgerliche Bildung in Schulen und in der Jugendarbeit müsse verstärkt werden. "Jugendliche müssen bereits frühzeitig an die Politik herangeführt werden", so Kerim Arpad. Es gilt, "Interesse zu wecken für die Themen, die vor Ort, im Land oder auf Bundes- und europäischer Ebene aktuell sind".

Ergun Can, Sprecher des Netzwerkes türkeistämmiger Mandatsträger, das 2004 auf Initiative der Körber-Stiftung zusammenkam, äußerte sich positiv über die Entwicklungen in den vergangenen Jahren. "Gerade unter der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland gibt es sehr viele Mandatsträger. In unserem Netzwerk sind Politiker aller Parteien und von allen politischen Ebenen vertreten", so Ergun Can. Europaparlamentarier und Bundestagsabgeordnete mit Migrationshintergrund seien keine Seltenheit mehr, aber es sind noch zu wenig im Vergleich zum Bevölkerungsanteil.

Das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert, möchte mit der Einladung der türkeistämmigen Mandatsträger nach Stuttgart verdeutlichen, wie wichtig im 60 Jahr der Gründung der Bundesrepublik die staatsbürgerliche Integration junger Menschen aus Zuwandererfamilien ist. "Die Mandatsträger sind Vorbilder für die Bevölkerung", so Kerim Arpad. Er rief die 8.500 türkischstämmigen Stuttgarter auf, am 7. Juni zur Wahl zu gehen und damit ihr politisches Grundrecht aktiv zu nutzen.

Deutsch-Türkische Runde Tische für türkischstämmige Jugendliche

Das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart hat zu Jahresbeginn eine neue Veranstaltungsreihe gestartet, mit der wir die Diskussion über integrationspolitische Themen bereichern wollen. Gefördert von der Robert Bosch Stiftung laden wir türkischstämmige Jugendliche zu "Deutsch-Türkischen Runden Tischen" ein. Darin möchten wir die persönlichen Erfahrungen dieser Jugendlichen für den politischen und öffentlichen Diskurs konkret nutzbar machen. Gefragt sind deren Impulse und Meinungen zu verschiedenen Themen im deutsch-türkischen Kontext rund um Bildung, Heimat und Bürgergesellschaft.

Am ersten deutsch-türkischen Runden Tisch zum Thema "Aufstieg durch Bildung?!" haben sich am 20. Februar im Plenum im Landtag von Baden-Württemberg 16 Schüler verschiedener Schularten, Studierende und andere Jugendliche aus dem Stuttgarter Jugendrat sowie aus Migrantenvereinen beteiligt. Die Leiterin des Staatlichen Schulamts Stuttgart, Frau Ulrike Brittinger, führte die Jugendlichen in die Thematik ein. Mit ihr und vor allem untereinander wurde danach über die Bildungschancen von Migranten im deutschen Schulsystem und über die persönlichen Erfahrungen der Jugendlichen diskutiert.

Durch die Teilnahme an den Deutsch-Türkischen Runden Tischen möchten wir den Teilnehmern die Möglichkeit eröffnen, im Austausch mit anderen deutsch-türkischen Jugendlichen aus der Region Stuttgart ihr Bewusstsein zu vertiefen und Ihre Ideen einzubringen. Die weiteren Themen werden "Bürger sein / Staatsbürgerlich handeln", "Vaterland, Mutterland, Heimat" und "Von der Schule in den Beruf" sein.