17.11.2010

Landeszentrale für politische Bildung startet Modellprojekt zur Prävention von Islamismus

Welche Rolle spielt der Islam im Leben von muslimischen Jugendlichen? Wie lassen sich religiöse Überzeugungen von islamistischen Positionen unterscheiden? Wie kann man demokratiefeindlichen Einstellungen bei jungen Musliminnen und Muslimen entgegenwirken? In einem bundesweit bisher einzigartigen Modellprojekt zur Prävention von islamistischem Extremismus können sich Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Baden-Württemberg ab sofort mit diesen Fragen auseinandersetzen. Landesweit bietet das "Team meX. Mit Zivilcourage gegen islamistischen Extremismus" Fortbildungen und Fachvorträge, um in der Jugend- und Bildungsarbeit Tätige für das Themenfeld "Islamistischer Extremismus" zu sensibilisieren und eine Diskussion über Handlungsmöglichkeiten im praktischen Umgang mit dem Phänomen zu ermöglichen. Das Projekt wird von der Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem Landesamt für Verfassungsschutz durchgeführt und von der Baden-Württemberg Stiftung finanziert.

Mit einem Angebot zur Prävention von islamistischem Extremismus betreten die beteiligten Institutionen Neuland. Weder auf Bundes- noch auf Landesebene besteht ein vergleichbares Programm. "Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner und dank der Förderung durch die Baden-Württemberg Stiftung leistet die Landeszentrale beim Thema Islamismusprävention Pionierarbeit", erklärt Karl-Ulrich Templ, stellvertretender Direktor der Landeszentrale für politische Bildung. "Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir, welche Anziehungskraft islamistische Propaganda gerade auf junge Menschen ausüben kann und welche Wertekonflikte dadurch ausgelöst werden. Dieses Erfahrungswissen bringen wir in das Projekt und damit in die praktische Arbeit mit Jugendlichen ein", sagt die Präsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutz, Beate Bube, über die Bedeutung von Präventionsangeboten in diesem Bereich. "Die Baden-Württemberg Stiftung versteht sich als Zukunftswerkstatt des Landes. Die Vermittlung von Wissen und Werten ist uns ein großes Anliegen. Über Präventionsprojekte wollen wir negativen Entwicklungen gerade bei jungen Menschen frühzeitig begegnen", erläutert Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung.

Der Fokus des neuen Präventionsprojektes liegt weniger auf der Vermittlung von Faktenwissen über islamistische Prediger oder Gruppierungen. Es geht vielmehr darum, Lehrkräften und Mitarbeitenden in Jugendeinrichtungen einen Einblick in die Lebenswelten muslimischer Jugendlicher zu geben und sie für Einfallstore islamistischer Ideologien zu sensibilisieren. Ein wichtiges Anliegen des Projektes ist die Vorstellung verschiedener muslimisch-jugendkultureller Szenen in Deutschland anhand von Musikbeispielen und Videoclips. "Mit islamistischem Extremismus hat das zunächst nichts zu tun. Es soll den meist nicht-muslimischen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zeigen, wie vielfältig die Lebensstile und Glaubensformen junger Musliminnen und Muslime in Deutschland sind", erklärt Regina Bossert, Mitarbeiterin der Landeszentrale und Leiterin des Projektes. In Abgrenzung zur Vielfalt innerhalb der muslimischen Jugendkulturen werden islamistische Positionen und Propaganda vorgestellt und diskutiert. So erhalten in der Jugendarbeit Tätige ein Gespür für die Unterscheidung von religiösen Überzeugungen und demokratiegefährdenden, islamistischen Einstellungen. Das ist die zentrale Voraussetzung dafür, im Dialog mit jungen Musliminnen und Muslimen radikalen und extremistischen Einstellungen begegnen und vorbeugen zu können – ohne ihre Religion in Frage zu stellen.

Die Fortbildungen und Fachvorträge zur Prävention von islamischem Extremismus, die im Rahmen des Modellprojektes angeboten werden, können ab sofort bei der Landeszentrale für politische Bildung gebucht werden. Sie werden auf Anfrage kostenfrei und vor Ort in Schulen, Einrichtungen der offenen und verbandlichen Jugendarbeit, in Kommunen und bei Vereinen in ganz Baden-Württemberg durchgeführt. Angesprochen sind alle Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die sich mit dem Thema "Islamistischer Extremismus" auseinandersetzen und ihr Fach- und Praxiswissen vertiefen möchten. Durchgeführt werden die Veranstaltungen vom "Team meX", einem Netzwerk von vierzehn freien Mitarbeitenden der Landeszentrale. Alle Teamerinnen und Teamer bringen praktische Erfahrungen aus dem Bereich der Jugend- und Bildungsarbeit mit und sind fachlich und methodisch speziell für die Durchführung der Projektangebote qualifiziert worden.

Weitere Informationen unter http://www.lpb-bw.de/ und http://www.team-mex.de/

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